Wer zahlt eigentlich den Rum?
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Warum Bonzenschelte keine Wirtschaftspolitik ersetzt – und warum wir aus der Weimarer Republik endlich lernen sollten
Es ist eine bequeme Geschichte: Die Reichen sind schuld.
Sie haben zu viel.
Sie zahlen zu wenig.
Sie haben es nicht verdient.
Also – holt es euch von den Bonzen.
Dieses Narrativ ist nicht neu.
Es wurde bereits in den 1920er Jahren erzählt, besonders laut von der SPD, noch radikaler von der KPD. Und es hat ein Gefühl bedient, das sehr real war: Wut, Ohnmacht und soziale Ungleichheit – damals wie heute.
Doch es war auch damals schon nicht die ganze Wahrheit. Und vor allem: keine Lösung.
Die bittere Lehre aus Weimar: Schulden + Umverteilung + Klassenkampf = Crash
Nach dem Ersten Weltkrieg lag Deutschland wirtschaftlich am Boden. Reparationszahlungen, Hyperinflation, strukturelle Schwächen – all das war Realität. Die SPD, damals führende Regierungspartei, versuchte den Spagat:
Sozialstaat ausbauen – ohne das Vertrauen der Kapitalmärkte oder der Industrie zu verlieren.
Das Ergebnis: ein Tanz auf dem Drahtseil zwischen linken Versprechungen und ökonomischer Realität.
Als es finanziell eng wurde, griff man zum populärsten Mittel:
Vermögensabgaben, Substanzsteuern, Schuldzuweisungen an das Großkapital.
Und ja – das traf manche zu Recht.
Es gab sie: die Industriellen, die sich auf Firmengelände Paläste bauen ließen, auf Firmenkosten lebten, in Saus und Braus feierten, während Arbeiter hungerten. Diese Arroganz gebar verständlichen Zorn.
Doch diese Exzesse wurden generalisiert.
Alle Unternehmer wurden zu Bonzen.
Jeder Vermögende zum Ausbeuter.
Und die Lösung schien einfach: mehr Steuern, mehr Staat, mehr Umverteilung.
Was dabei vergessen wurde:
Es waren nicht genug Reiche da, um das Loch zu stopfen.
Schon in den 1920ern war klar: Selbst eine vollständige Enteignung aller Großvermögen hätte die strukturellen Defizite nicht ausgeglichen. Das sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, das belegen auch zeitgenössische ökonomische Gutachten aus der Reichsbank und vom Statistischen Reichsamt.
Die SPD regierte weiter, verschuldete sich weiter – und verlor das Vertrauen der Bürger wie der Unternehmer.
Am Ende standen Arbeitslosigkeit, Staatsversagen und die Radikalisierung der Mitte – bis es keine demokratische Mitte mehr gab.
Heute: Neue Rhetorik, alter Fehler?
Und jetzt?
Wieder hören wir die alten Parolen.
Wieder fordert die SPD (und in Teilen auch die Grünen), mehr Schulden zu machen, „die Reichen stärker heranzuziehen“, „Superreiche zur Kasse zu bitten“.
Wieder werden Milliarden verteilt, bevor überhaupt geklärt ist, wo sie herkommen sollen.
Wieder betreibt man Politik auf Kredit – ökonomisch wie moralisch.
Und wieder ist die Versuchung groß: die Realität durch Rhetorik zu ersetzen.
Dabei könnte man lernen. Nicht nur aus Weimar, sondern aus der ökonomischen Theorie:
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Die Laffer-Kurve zeigt: Ab einem bestimmten Punkt führt eine Steuererhöhung nicht zu mehr Einnahmen – sondern zu weniger, weil Anreize, Investitionen und Innovationskraft zerstört werden.
- Keynesianismus, oft falsch interpretiert, bedeutet nicht: „Immer Schulden machen!“ – sondern gezielt in Krisen investieren und in Boomphasen konsolidieren. Genau das passiert aber nicht.
Und selbst moderne Studien zur Verteilungsgerechtigkeit zeigen:
Umverteilung ohne Wachstum ist ein Nullsummenspiel, das am Ende alle ärmer macht.
Ein bisschen Selbstkritik muss auch sein
Aber es wäre zu einfach, nur auf die SPD zu zeigen.
Denn ja – viele in der Wirtschaft haben den Unmut selbst provoziert.
– Wer in dritter Reihe einen Firmenwagen parkt, aber sich die Privatnutzung steuerlich schönrechnet…
– Wer Dienstreisen im Fünf-Sterne-Hotel verbringt, während Mitarbeitende sparen müssen…
– Wer private Abendessen, Flüge oder Spa-Wochenenden als „betriebsnotwendig“ verbucht…
…der sollte sich nicht wundern, wenn das Volk irgendwann fragt:
„Und wer zahlt eigentlich euren Rum?“
Der Unterschied zur Weimarer Zeit?
Damals waren es Villen auf Werksgelände mit Hausangestellten.
Heute sind es Leasingkarossen mit Shareholder-Floskeln auf LinkedIn.
In beiden Fällen wird Reichtum zur Schau gestellt, ohne sich der Wirkung bewusst zu sein.
Nicht jeder Unternehmer tut das – aber es reicht, wenn es einige tun, laut genug und sichtbar.
Die Folge: Das Narrativ der Bonzen gewinnt an Kraft, auch wenn es auf tönernen Füßen steht.
Freiheit braucht Verantwortung – auf allen Seiten
Der Seeräuber hat kein Problem mit Wohlstand.
Er hat ein Problem mit Wohlstand ohne Demut.
Mit Schulden ohne Plan.
Mit Umverteilung ohne Wertschöpfung.
Und mit Moral, die immer nur beim anderen beginnt.
Wer also nach Gerechtigkeit ruft, sollte auch nach Wahrheit fragen.
Und wer Politik machen will, darf sich nicht auf Parolen verlassen – sondern braucht einen Kompass, der auf Realität zeigt, nicht auf Ideologie.
Denn am Ende muss einer den Rum zahlen.
Und wenn keiner mehr da ist, der zahlt,
… dann wird der Rum dünner,
… der Zorn größer,
… und die Demokratie durstiger.
Die Frage ist nicht, ob man Umverteilung will – sondern ob man sich leisten kann, auf Leistung zu verzichten.
Und ob man begreift, dass jeder Klassenkampf am Ende auch ein Krieg gegen das Vertrauen ist.
Der Seeräuber weiß:
Man kann den Schatz nur verteilen, wenn man ihn vorher gefunden hat.
