Kriegstüchtig? Wofür eigentlich? Ein Land auf der Suche nach dem Feind, den keiner braucht.

Man muss schon sagen: Deutschland hat ein seltenes Talent, Probleme dort zu vermuten, wo keine sind – und dort zu schweigen, wo die Hütte lichterloh brennt.

Plötzlich ist sie wieder da, die Sprache der 1930er: Kriegswirtschaft, Kriegstüchtigkeit, Verteidigungsfähigkeit der Gesellschaft. Begriffe, die man früher aus gutem Grund gemieden hat, werden heute wieder salonfähig. Ganz so, als wäre der Krieg eine logische Folge unserer außenpolitischen Reifeprüfung.

Dabei ist der eigentliche Feind in den Köpfen.
Denn, während wir Schulden im Billionenbereich planen, den Sozialstaat auf Pump finanzieren und die Bildung mit PowerPoint-Programmen ersetzen, erklären uns Politiker – ganz staatsmännisch –, dass wir kriegsbereit sein müssen.

Milliardenschwere Schulden sollen uns „sicher“ machen. Mehr als eine Billion Euro in den kommenden Jahren. Weniger für Bildung, schon gar nicht für Entschuldung, ein Teil für Klimaschutz, aber nicht für den Erhalt unserer Wirtschaftskraft – hauptsächlich für „Kriegstüchtigkeit“. Infrastrukturpläne für unsere Wehrfähigkeit, nicht um wirtschaftlich stark zu sein.

Und während die „Demokratischen Parteien“ mit düsterem Ernst vom nächsten Ernstfall sprechen, stellen sich manche von uns, wozu ich mich zähle, hoffentlich eine viel einfachere Frage:

Wer zum Teufel will uns überhaupt angreifen?

Der Russe? Also Putin?
Ich frage das nicht naiv. Ich frage als Unternehmer, Familienvater und Steuerzahler. Und vor allem als jemand, der noch gelernt hat, dass Kriege selten aus Jux geführt werden – er ist grausam, verachtenswert – aber meist an Interessen geknüpft.

Also was genau ist unser strategischer Mehrwert?

Bodenschätze? Fehlanzeige.
Technologie? Die richtig spannenden Patente sind schon vor Jahren an China gegangen. Neue eher dünn gesät, in Home-Office-Zeiten für Ingenieure.
Wirtschaftskraft? Na ja – mir fallen wenige Unternehmen ein, die sich in den vergangenen Jahren durch glühende Innovationskraft hervorgetan hätten. Gut – wir bei Bubeck backen tatsächlich ein ziemlich einzigartiges, innovatives und dazu noch gesundes Hundefutter. Aber selbst ich glaube nicht, dass der Kreml deswegen Invasionspläne schmiedet. – Ironie Ende -

Vielleicht unsere Verteidigungsfähigkeit?
Auch da muss ich enttäuschen:
Ein Land, das bei jeder Auslandseinsatztätigkeit drei Wochen mit sich selbst ringt, ob ein Panzer defensiv oder offensiv ist, ist nicht kriegsfähig und erschreckend, aber wahr, auch nicht verteidigungsfähig.
Ein Land, dessen Soldaten ihre Uniformen mit eigenen Mitteln aufrüsten müssen, weil der Staat es nicht hinbekommt, ist nicht kriegsfähig. Dabei sollte ein weiteres Amt dafür sorgen unsere Soldaten gut auszurüsten. Es verschlingt aber ohne eine Waffe oder Ausrüstung mehr zu haben einfach nur Gelder, welche gebraucht würden. Stichwort, Bürokratieabbau ist hier bisher nicht angekommen.
Ein Land, das sich bei jedem Schritt, solange es nicht um Klima oder Minderheiten geht, entschuldigt, ist nicht mal diskussionsfähig.

Und was passiert, wenn die Substanz wegbricht?
Dann wird gefeiert?
Dann plant man in Heilbronn lieber ein neues Eisstadion, ein schickes Hallenbad, baut eine schicke Brücke oder eventuell eine Seilbahn, die keinen Berg erklimmt – aber Symbolkraft hat.
Symbole für eine Gesellschaft, die lieber schwimmen geht, während die Titanic sinkt.

Aber hey, wir haben doch den Haushalt in Heilbronn auf den Weg gebracht – welcher uns von einer pro-Kopf-Verschuldung von „nur“ 10 € bald in die Nähe von 1000 € bringen könnte.
Natürlich sagt niemand dazu, dass diese Zahl nicht das ist, was sie vorgibt, sondern eine Luftnummer mit Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein paar Jahre weiter, ein paar Projekte weiter – und wir liegen bei über 1.000 € pro Kopf, wenn es reicht.

Aber zurück zu Putin. Warum sollte er uns angreifen?

Vielleicht wegen unserer „wehrhaften“ Gesellschaft?
Ein Volk, das sich gerade ernsthaft damit beschäftigt, in Jugendfußballligen das Zählen von Torschüssen abzuschaffen, um die Kinder nicht zu überfordern.
Welches die Bundesjugendspiele abschafft, damit die Langsamen nicht durch die Schnelleren traumatisiert werden.
Ein Volk, das sich kollektiv vor der Anstrengung fürchtet und lieber auf Instagram über mentale Gesundheit spricht, als sie im echten Leben zu beweisen.
Ein Volk, das mit sich selbst überfordert ist – und dennoch glaubt, die Welt mit erhobenem Zeigefinger retten zu müssen.
Ein Volk, das sich in Work-Life-Balance verliebt hat. Welches den 8-Stunden-Tag als Zumutung empfindet. Die 4-Tage-Woche einführen möchte, natürlich bei vollem Lohnausgleich. Dabei beschwert man sich aber, wenn sein Lieblingsitaliener bei der Pizza aufschlagen muss.
Ein Staat, der mit Steuergeld um sich wirft, aber keine echten Wertschöpfungstreiber mehr fördert.
Ein Volk, das mit sich selbst überfordert ist – und dennoch glaubt, die Welt retten zu müssen.

Und das bringt uns zum nächsten Punkt – zum vielleicht größten wirtschaftlichen Offenbarungseid der letzten Jahrzehnte:
Wir haben unsere Industrie auf dem Altar des Klimas geopfert.

Nicht, weil wir einen funktionierenden Ersatz gehabt hätten.
Nicht, weil wir ein realistisches Konzept gehabt hätten.
Sondern, weil wir unbedingt Vorbild sein wollten.
Ein Mahnmal der Weltrettung.
Ein grünes Leuchtfeuer.
Ein Deutschland, das lieber mit dem Zeigefinger wedelt, als mit der Hand anpackt.

Und was ist daraus geworden?
Industrie, die abwandert. Mittelstand, der kapituliert.
Und ein Staat, der versucht, den Zusammenbruch mit Subventionen zu kaschieren – also mit noch mehr Schulden.
Denn Einnahmen generieren wir ja keine mehr.
Wir produzieren keine Wertschöpfung – wir produzieren Bürokratie, Formate und Förderbescheide.

Wir retten das Klima – und opfern das, womit wir es hätten retten können.

Wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft, technische Lösungen.
Die Welt schaut zu.
Nicht bewundernd – sondern irritiert.

Wer noch sehen will, wie es wirklich um ein Land steht, der muss nur auf den Sport schauen.
Der war mal ein Gradmesser für Stärke.
Früher war die Bundeswehr über ihre Sportförderung ein Sinnbild für nationale Stärke und Ehre. Heute zählen wir im Medaillenspiegel zu den Unauffälligen – in der Anstrengung ohnehin.
Und wer sich anstrengt, wird nicht bewundert, sondern misstrauisch beäugt.

In meiner Sportart, Rugby, verlieren wir als Beispiel wiederholt gegen die Schweiz.
Nicht, weil sie mehr Spieler hätten. Nicht, weil sie bessere Plätze hätten.
Sondern weil sie mehr Leute haben, die für ihre Ehre auf den Platz gehen.

Und bei uns?
Da sagt man ab, weil man lieber beim Umzug hilft.
Da bleibt man daheim, weil man Rückenschmerzen vom Denken hat.
Da wird diskutiert, ob Körperlichkeit noch zeitgemäß ist.
Das ist kein Sport – das ist eine Theaterprobe fürs Scheitern.

Aber immerhin träumen wir noch.
Von der Fernsehübertragung der Rugby-Bundesliga. Mit Bundesligisten, welche mit ihrem Kader hadern. Haben auch keine Rugby-Jugend, welche diese in Zukunft auffüllen könnte. 
Wir träumen von Ruhm und vergleichen uns mit Spanien, wo bei einem Länderspiel der König im Stadion ist und bei uns hat der Oberbürgermeister von Heidelberg keine Zeit. Wir vergleichen uns mit einem Land mit ca. 50.000 aktiven Spielern und hoffen, dass die gemeldeten 6.000 Spieler und Spielerinnen bei uns echt sind.

Mit all diesem Wissen ist es nicht verwunderlich, dass die wirtschaftlich Starken längst angefangen haben, ihr Geld aus dem Land zu bringen.
Und es sind nicht die Großindustriellen oder Hedgefonds.
Es sind die Mittelständler, die eigentlich nie wegwollten.
Selbst meine Hausbank – bodenständig, schwäbisch, solide – schickt mir Modelle, wie ich legal Geld ins Ausland bringen kann.
Nicht, weil ich gefragt habe – sondern weil man dort weiß, was kommt und das Geschäftsmodell lukrativ ist.

Aber all das blendet man aus.
Noch ein Gedanke, den wir in der ganzen Russland-Panik gerne verdrängen:
Vor 30 Jahren hat Russland uns die DDR nicht aus lauter Gutmenschlichkeit „zurückgegeben“.
Sie war ein Klotz am Bein. Marode, teuer, hoffnungslos.
Gorbatschow war klug genug, die Altlast abzugeben, bevor sie sein Land weiter herunterzog.
Und was haben wir gemacht? Uns als diplomatische Sieger gefeiert – und brav gezahlt.
Ein SED-Funktionär sitzt heute wieder im Bundestag und verklärt die DDR zur sozialen Oase. Dabei verschweigt er beharrlich, dass niemand auf der Welt Interesse an dieser Oase hatte.
Wir haben ein riesiges Investitionsprogramm namens Wiedervereinigung finanziert vom Steuerzahler aufgelegt – aber unter dem moralischen Etikett „historische Verantwortung“.
Verklärt, verlogen, verblendet.

Und damit sind wir beim eigentlichen Kernproblem:
Warum glaubt dieses Land, dass es überhaupt noch begehrenswert genug ist, um angegriffen zu werden?

Das hat was von kollektivem Narzissmus – kombiniert mit einer Portion Größenwahn, gewürzt mit einem Schuss Selbsthass.
Ein psychologisches Phänomen, das man in der Sozialpsychologie als „kollektive kognitive Dissonanz“ bezeichnet:
Man spürt innerlich, dass etwas nicht stimmt, aber statt sich der Realität zu stellen, erzeugt man künstliche Bedrohungen – um den inneren Widerspruch zu übertönen.
Man redet sich stark, weil man tief drin spürt, wie schwach man geworden ist.

Und genau deshalb habe ich meinen Kindern von klein auf etwas anderes beigebracht:
Wir schlagen nicht zuerst zu. Aber wenn uns jemand angreift, dann weichen wir aus – und schlagen einmal so kräftig zurück, dass Ruhe ist.
Das ist keine Kriegsrhetorik. Das ist gesunder Menschenverstand.
Das ist Haltung, nicht Hysterie.
Und das ist es, was einem Land guttun würde, das gerade seine Maßstäbe verliert.

Warum also sollte man uns angreifen?

Wegen des gesunden Hundefutters aus Baden-Württemberg?
Wegen des Hallenbad-Neubaus in Heilbronn?
Wegen der kreativen Ideen zur Schuldenvermehrung?
Oder weil wir einfach so unfassbar viele Ausschüsse, Räte und Dialogformate haben?
Vielleicht sogar wegen unserer Werte geleitete Außenpolitik, welche mit erhobenem Zeigefinger durch die diplomatische Welt reist? Bis es sogar die eher zurückhaltenden Chinesen zu öffentlichen Äußerungen treibt.

Wir müssen uns die Frage stellen: Vielleicht ist der Gedanke eines Angriffs schon anmaßend?
Denn die Wahrheit ist:
Für fast ganz Kerneuropa – Deutschland eingeschlossen – gilt:
Wir sind längst kein Ziel mehr.
Nicht wirtschaftlich. Nicht strategisch. Nicht kulturell.
Vielleicht noch als Transitland. Oder als Verwaltungsstandort.
Aber als Beute?
Nein. Dafür ist das Wild zu mager geworden.

Der Seeräuber Kai blickt ein wenig Sorgenvoll in die Zukunft.
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